LEBEN IN BEWEGTER VERGANGENHEIT

Die 100jährige Geschichte der Wohnungsgenossenschaft vollzog sich vor dem Hintergrund gewaltiger Veränderungen

Von dänischer Verwaltung über preußische Stadt zum Hamburger Bezirk
Wer kann sich heute noch in jene Zeit versetzen, die die unterschiedlichen, politischen Zuständigkeiten gerade überwunden hatte. Bis 1863 war der dänische König als Landesherr noch Herzog von Schleswig-Holstein. 1866 wurde es preußisch. Stadtrechte erhielt Wandsbek 1870. 1873 wurde es Kreisstadt. Die engen Verbindungen zu Hamburg führten nach jahrelangen Verhandlungen im Jahre 1937 mit dem Groß-Hamburg-Gesetz zur Eingemeindung. Mit der Neugliederung Hamburgs im Jahre 1949 wurde der einwohnerstärkste Hamburger Bezirk Wandsbek geschaffen.

Vom sauberen Trinkwasser über Stadtgas zur Elektrizität
Eine vergleichbare Entwicklung brachte der technische Fortschritt mit sich. Die Cholerazeit war zwar überwunden; doch die katastrophalen, sanitären Verhältnisse, die Ursachen jener Seuche galt es zu beseitigen. Nur wenige Jahre vor der Gründung der Genossenschaft im Jahre 1892 konnte Wandsbek aus dem neu erbauten Wasserwerk am Großensee mit sauberem Trinkwasser versorgt werden.

Im Jahre 1858 nahm die Wandsbeker Gasanstalt ihren Betrieb auf. Vorher, aber auch noch viele Jahre später, zierten die blank geputzten Petroleumlampen die Wohnstuben. Die Umstellung auf Gaslicht kam langsam voran. Noch in den 20er Jahren wurden die Gaslaternen in den Straßen abends von Mitarbeitern der Gaswerke angezündet, indem sie mit einer Hakenstange den Hahn öffneten. Die Wohnungen hatten Zimmer die mit Holz und Kohle befeuert wurden. Der schmiedeeiserne Herd in der Küche war Kochstelle für Mahlzeiten, Waschtöpfe und für das Badewasser, das in einen Zuber gegossen wurde. Nur wenige Wohnungen hatten damals ein Badezimmer mit freistehender Wanne und einem kohlebefeuerten Heizkessel. Als in den 20er Jahren auch in die Wohnungen elektrische Leitungen gelegt wurden, zog man die Kabel durch die vorhandenen Gasrohre.

Allein diese Beispiele machen deutlich, vor welche großen Aufgaben sich die Gründer der Genossenschaft gestellt sahen.

Der Bau- und Spar - Verein zu Wandsbek, ein erster vorsichtiger Schritt zum Wohnungsneubau
Am 1. Oktober 1897 waren mittlerweile 39 Wandsbeker Bürger als Mitglieder des "Bau- und Spar-Vereins für Wandsbek und Umgebung (eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht)" in der Liste der Genossen erfasst. Aus dem ersten Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr vom 1. Oktober 1897 bis zum 31. Dezember 1898 geht hervor, dass sich die Zustimmung zu den Aktivitäten der Genossenschaft in Grenzen hielt. Wörtlich heißt es dort: "In den bemittelten Kreisen unserer Mitbürger finden wir nicht überall Verständnis für unsere Bestrebungen, und deshalb begegnen wir häufig völliger Teilnahmslosigkeit, ja oft offener Abneigung.
Ferner verhält sich das Gros unserer Arbeiterbevölkerung einstweilen noch abwartend. Das liegt nach unserer Erfahrung hauptsächlich daran, dass unser erstes Genossenschaftshaus nur Wohnungen im Preise von durchschnittlich 250 Mark (Jahresmiete) enthält, die für die meisten Arbeiter zu teuer sind. Wir hoffen, im laufenden Jahre, in dem wir meist zwei-zimmerige Wohnungen herstellen lassen werden, der arbeitenden Bevölkerung unserer Stadt die Vorteile, die wir für sie erstreben, deutlicher vor Augen führen zu können und ihr Vertrauen in umfassendem Maße zu gewinnen."

Oberbürgermeister Eduard Rauch mahnt: "Von der Wohnung ist Gesundheit, Sittlichkeit und Wohlfahrt der Familie abhängig"
Der damalige Oberbürgermeister Eduard Rauch, so geht es aus dem gleichen Geschäftsbericht hervor, unterstützte die Bestrebungen der Genossenschaft. In einer öffentlichen Sitzung vor den Collegien führte er aus, dass die Wohnverhältnisse in unserer Stadt in den letzten Jahren sich verteuert haben und die Mieten einer weiteren Steigerung entgegengehen. Durch die Gewährung eines höheren Lohnes an die städtischen Arbeiter wolle die Verwaltung dazu beitragen, dass dieselben ihre Wohnung mehr verwenden können weil von der Wohnung Gesundheit, Sittlichkeit, überhaupt die Wohlfahrt der Familie wesentlich abhängt."

90 Prozent der Mitglieder kamen aus dem Mittelstand
Ein Jahr nach der Gründung der Genossenschaft war die Anzahl der Mitglieder auf 91 gestiegen. Bemerkenswert sind die Berufe: 40 Mitglieder waren Handwerksmeister und Handwerker, 20 Beamte, 8 Kaufleute und Fabrikanten, 5 Ärzte und Apotheker, 3 Architekten and Techniker, 3 Geistliche, 2 Gastwirte, 1 Rentner und 9 Arbeiter. Also nur 10% der Mitglieder waren Arbeiter, auf die sich die Mitgliederwerbung damals konzentrierte. Das geht aus dem gleichen Geschäftsbericht hervor: "Die Pflichten, die jeder Arbeiter übernimmt, sind nicht bloß ein Beitrag von wöchentlich 30 Pfennigen, der angemessene Verzinsung bringt".

465 Neubauwohnungen in den ersten 30 Jahren
Der erste Wohnhausbau in der damaligen Heinrichstraße Nr. 9 - heute Gladowstraße 13 - mit 6 Drei-Zimmerwohnungen, stand am Anfang. Schon 1899 folgte der Bau von zwei Doppelhäusern mit 14 Zwei-Zimmer- und 2 Drei-Zimmerwohnungen in der Josephstraße. In den ersten 30 Jahren wurde in der Heinrichstraße - jetzt Gladowstraße, der Margarethen- / Carolinenstraße - jetzt Behnkenkammer / Wiemannweg -, der Feldstraße - jetzt Walddörferstraße -, der Lesserstraße und Auf dem Königslande gebaut. Das Ergebnis waren 465 preiswerte und freundliche Wohnungen, die Zeugnis davon ablegen konnten, wozu genossenschaftliche Selbsthilfe führt.

Gründung der Baugenossenschaft freier Gewerkschafter Wandsbek eGm.b.H.
Im Jahre 1927 hat der damalige Wandsbeker Oberbürgermeister Erich Vasa Rodig die Bildung eines genossenschaftlichen Bauträgers angeregt, der die bei der Stadt angesammelten, erheblichen Hauszinssteuererträge, die sonst an den preußischen Fiskus zurückgeflossen wären, für den Wohnungsneubau einsetzen sollte. Diese Anregung nahmen die sozialdemokratischen Kommunalpolitiker Biel, Junge, Kertscher, Krefft, Mellmann, Wentker und Wichelmann auf.

Sie gründeten die "Baugenossenschaft freier Gewerkschafter Wandsbek eGm.b.H.", die in wenigen Jahren eine beachtliche Anzahl moderner Wohnungen erstellte. Darunter fielen die Wohnungen in der Hinschenfelder-/Lesserstraße, der Ebertblock, die großen Wohnblocks an der Holzmühlenstraße und am Friedrich-Ebert-Damm, die Einzelhäuser am Narzissenweg und außerhalb Wandsbeks in der Großmannstraße und am Billwerder Ausschlag.

Im Volkshausbund e.V. finden die Wandsbeker Vereine eine aktive Zentrale
Parallel zu dieser Entwicklung hatte ein weiterer Verein die Initiative ergriffen. Am 16. Februar 1925 wurde der "Volkshausbund e.V." gegründet. Er hatte sich die Aufgabe gestellt, eine Kulturstätte für das rege Vereinsleben in Wandsbek zu schaffen, das damals im Arbeitersportkartell zusammengeschlossen war. Die zum erheblichen Teil freiwillige Mitarbeit war recht erfolgreich, und das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Ein Stadion, das Verwalterhaus in der Hinschenfelderstraße mit zwei Wohnungen und Umkleideräumen für die Sportler wurden am 12. August 1928 eingeweiht. Fünf Häuser mit 59 Wohnungen, sechs Läden und einer Gaststätte am Friedrich-Ebert-Damm konnten bald darauf bezogen werden.

1933 - Das Ende des genossenschaftlichen Lebens
Wohnungsbau stillgelegt
Weitere Pläne, die die Genossenschaften entwickelt hatten, konnten nicht mehr zur Ausführung gelangen. Die neuen Machthaber nach 1933 besetzten die Vorstände mit politisch "zuverlässigen" Leuten. Sie sorgten für die sogenannte "Gleichschaltung" im nationalsozialistischen Sinne und die Verschmelzung der Baugenossenschaften. Der Wohnungsbau war unter ihrer Herrschaft zum Erliegen gekommen. Die Baugenossenschaft freier Gewerkschafter wurde aufgelöst. Das Geschäftsguthaben übernahm der Bauverein zu Wandsbek. Am 29. August 1941 beschloss die Generalversammlung des Bauvereins den Verschmelzungsvertrag, der zugleich die neue Firmenbezeichnung enthielt:
"Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft Hamburg Wandsbek von 1897 eGm.b.H."

Das Erbe des Krieges
930 Wohnungen und 20 Läden hatten die beiden Genossenschaften bis 1933 gebaut. 480 waren total zerstört, 250 schwer beschädigt. Keine Wohnung blieb von den Bombenangriffen völlig verschont.

Die Genossenschaft formierte sich wieder neu
Am 25. November 1945 kamen 222 Mitglieder zur Generalversammlung. Sie beschloss die notwendige Satzungsänderung im demokratischen Sinne und wählten Genossenschafter, die 1933 von den Nazis entlassen wurden. Den Vorsitz im Aufsichtsrat übernahm Heinrich Wichelmann. Zum geschäftsführenden Vorsitzenden des Vorstandes wurde Friedrich Mellmann gewählt.

Aus Trümmern neu gestalten
An Neubauten gleich nach dem Kriege war nicht zu denken. Der Wiederaufbau mit vorheriger Trümmerbeseitigung durch die vielen Mitglieder gestaltete sich vor allem deswegen schleppender, weil es an allem fehlte. Baustoffe aller Art unterlagen der Bewirtschaftung. Ob es sich um Fensterglas, um Holz oder nur um Nägel handelte, für alles war ein Bezugsschein erforderlich. Im Februar 1946 beschlagnahmten die Engländer für die Familien ihrer Soldaten 80 wieder aufgebaute Wohnungen an der Holzmühlenstralße / Friedrich-Ebert-Damm. Völlig verwohnt wurden sie im Jahre 1952 wieder freigegeben.

Mit der Eingliederung des Volkshausbundes im Jahre 1951/52 übernahm die Genossenschaft auch seine 59 Wohnungen und die gewerblichen Objekte.

Nach der Währungsreform im Jahre 1948 konnte mit dem systematischen Wiederaufbau und Neubau begonnen werden. Vorrang hatte die schnelle Bereitstellung von Wohnraum. Der damalige Vorstand und die vielen aktiven Mitglieder halfen mit, die ständig neu definierten, gesteckten Ziele zu erreichen. Welche Leistungen sie vollbrachten, lässt sich am besten aus der Tabelle über den Wiederaufbau ablesen, die dem Geschäftsbericht von 1957 entnommen worden ist.

Stolze Bilanz zum Wiederaufbau
Beachtlich sind auch die Neubauten, die zum Teil parallel zu den Wiederaufbauten anliefen. Schwerpunkt blieb dabei der Wandsbeker Raum. Das Genossenschaftsheim, das 1953 eingeweiht werden konnte, wurde zum Treffpunkt für viele Veranstaltungen. Im Zuge weiterer Baumaßnahmen der Stadt beteiligte sich die Genossenschaft auch an Siedlungsprojekten, die außerhalb Wandsbeks lagen. 540 Neubauwohnungen waren die stolze Bilanz bis 1959. Dazu gehörte die damalige, neue Wohnanlage im Bereich "Tonndorfer Hauptstraße / Küperstieg" mit 225 Einheiten.
Schon damals machten sich Vorstand und Aufsichtsrat große Sorgen darüber, dass der Genossenschaftsgedanke immer weiter in den Hintergrund trat. Dazu wörtlich von Friedrich Mellmann, dem langjährigen Geschäftsführer: "Die Genossenschaft kann ihre Wohnungen nicht mehr nach ihren bewährten Grundsätzen verlosen oder je nach der Mitgliedsdauer vergeben. Unserer genossenschaftlichen Praxis entsprach es, dass die Kinder unserer Mitglieder vor der Eheschließung ebenfalls die Mitgliedschaft erwarben, um dann später entweder die Wohnung ihrer Eltern oder eine neue Wohnung der Genossenschaft zu übernehmen. Dadurch wurde der genossenschaftliche Geist gepflegt; denn erfahrungsgemäß behandelte die junge Generation das gemeinsame Eigentum genauso gut, wie es ihr im elterlichen Hause vorgelebt worden war. Heute müssen in jedem Einzelfall die behördlichen Bestimmungen über Wartepunkte oder Lastenausgleich erfüllt sein. Darin liegt die Gefahr einer Überfremdung auch unserer Genossenschaft." Der genossenschaftliche Gedanke, den Fiete Mellmann, wie ihn seine Freunde vertrauensvoll nannten, in der Festschrift zum 60. Geburtstag der Genossenschaft niederlegte, stand bei ihm immer im Vordergrund. Er kannte seine Mitglieder und pflegte engen Kontakt. Der langjährige Aufsichtsratsvorsitzender Heinrich Wichelmann war für ihn und den gesamten Vorstand ein idealer Partner. Er war gewissermaßen der "Außenminister" der Genossenschaft, der die Verbindungen mit Behörden und Verbänden pflegte und so dem Vorstand den Rücken frei hielt.

Die Bautätigkeit bekam in dieser Zeit ständig neue Impulse. Im Jahrzehnt von 1960 bis 1969 konnten 830 Neubauwohnungen bezogen werden. Darunter waren die Bauten am Friedrich-Ebert-Damm / Dernauerstraße / Thiedeweg mit 232 Einheiten, am Biehlweg / Lesserstraße mit 191 and in Bergedorf am Reinbeker Redder / Fanny David Weg mit 301 Wohnungen.

Noch bis zum Jahre 1976 stand der Neubau an erster Stelle. Von 1970 bis 1975 konnten 540 Wohnungen neu bezogen werden. Darunter fielen die 173 Einheiten auf die Wohnanlage "Geesthachter Weg / Geesthachter Kehre / Kielkoppelstraße" in Rahlstedt und die 117 Einheiten des Hochhauses an der Lesserstraße.
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Einladung zur 65. ordentlichen Vertreterversammlung / Neufassung

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